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Archive for März 2014

Die erste Seminargruppe aus Kenias größtem Slum

Die erste Seminargruppe aus Kenias größtem Slum

Seit einem halben Jahr habe ich mich in Kenia darauf vorbereitet, und eigentlich schon deutlich länger davor in Deutschland. Gestern war es endlich so weit: Ich habe mein erstes Seminar für Kleinstunternehmer gehalten!

Die sieben Teilnehmer kamen alle aus Kibera, Kenias größtem Slum mit circa einer Million Einwohnern, und alle sind in unterschiedlichen Branchen aktiv. Der junge Mann mit dem Schal (wegen der Regenzeit haben wir bitterkalte 20 Grad in Nairobi) verkauft z.B. Tomaten und Zwiebeln, der Herr rechts hinter ihm betreibt einen Friseursalon (sprich er schneidet Haare in einer Wellblechhütte), ein weiterer hat sich mit zwei Kollegen ein Moppet gekauft und fährt Menschen und Waren gegen Gebühr ans Ziel. Fast alle Teilnehmer haben zwei bis vier Kinder und halten sich mit ihren Unternehmen mehr schlecht als recht über Wasser. Ziel der Seminare ist, ihre Einkünfte zu stabilisieren und zu erweitern, damit sie selbstständig für sich und ihre Familien sorgen können.

Kollegiale Beratung: Ein Teilnehmer erklärt sein Unternehmen und ein zentrales Problem darin, die restlichen Teilnehmer versuchen zu helfen.

Kollegiale Beratung: Ein Teilnehmer erklärt sein Unternehmen und ein zentrales Problem darin, die restlichen Teilnehmer versuchen zu helfen.

Ein zentrales Element des ersten Seminars war die s.g. „Kollegiale Beratung“. Ein Teilnehmer erläutert sein Unternehmen und ein Kernproblem oder eine Schlüsselfrage. Daraufhin beraten die restlichen Teilnehmer den Kollegen mit Hinweisen, Ratschlägen oder Tipps. Diese Technik ist besonders stark, denn die Lösung kommt aus der eigenen Kultur und dem gleichen Umfeld. Ich war positiv überrascht, welch kreative Dynamik sich entwickelt hat. Es gab zahlreiche „Aha-Effekte“, sowohl bei den Teilnehmern, als auch bei mir!

Aufmerksame Zuhörer mit Aha-Effekten

Aufmerksame Zuhörer mit Aha-Effekten

Am Ende sollte jeder Teilnehmer EINE Schlüsselerkenntnis aufschreiben, wobei die Teilnehmer zu meiner Freude bis zu sieben Punkte notierten. Die Schlüsselerkenntnis bildet gleichzeitig die Hausaufgabe, die sie während der laufenden Woche in die Tat umsetzen sollen. Nach einer Woche treffen wir uns zum zweiten Seminar und ich bin gespannt über ihre Berichte…

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Geigerzähler im Einsatz

Geigerzähler im Einsatz

In Kenia werden Autos in den allermeisten Fällen aus Japan importiert. Auch unser Dienstfahrzeug, ein gebrauchter Nissan X-Trail, kam Anfang Dezember nach einer langen Schiffsreise aus Japan an. Natürlich haben wir den Wagen erst mal auseinandergenommen und gründlich geputzt. Ich staunte nicht schlecht, als ich unter der Rücksitzbank neben Haarclips und Armbändern auch eine Stadtkarte fand – von FUKUSHIMA! Die Karte zeigte die Innenstadt und alle Sehenswürdigkeiten der Stadt ab, die durch die Atomkatastrophe von 2011 eine traurige Bekanntheit erreichte. Seitdem werden Autos beim Import in Kenia auf Strahlenbelastung überprüft.

Als uns unser CFI-Projektmanager vor einigen Wochen besuchte, erzählte er von einem Fall einer Partnergesellschaft in einem Nachbarland, die ein aus Japan importiertes Fahrzeug zur Entsorgung zurück nach Japan schicken musste, weil es so stark radioaktiv kontaminiert war. Da wurde uns doch etwas mulmig, gerade wenn man bedenkt, dass man mit ein wenig Schmiergeld hier vermutlich jedes Zertifikat bekommen kann, das man sich denken kann. So habe ich unverzüglich einen Fachmann vom „Radiation Board of Kenya“, der zuständigen Behörde, zur Prüfung herbestellt. Der Mann hat den Wagen von allen Seiten inkl. Motorraum, Sitze, Armaturenbrett, Kofferraum, Motorhaube und Dach mit seinem Geigerzähler gründlich vermessen. Und natürlich bin ich ihm nicht von der Seite gewichen! Die Erleichterung war groß, dass die gemessenen Werte der üblichen Umgebungsstrahlung entsprachen und deutlich unter den Werten lagen, die z.B. in einem Krankenhaus herrschen. So können wir also mit ruhigem Gewissen weiterfahren und das Auto braucht nur zu strahlen, wenn es gerade gewaschen wurde. 🙂

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