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Archive for Februar 2016

Schwere Jungs

Es gibt Leute in Nairobi, denen möchte man lieber nicht begegnen. Allen voran sind das sicher die gewaltbereiten Gangsterbanden, die in Nairobi und dessen Vororten ihr Unwesen treiben. Bisher war ich dankbar, dass wir vor ihnen verschont geblieben sind. Nun bin ich ihnen begegnet. Sie waren die interessantesten Seminarteilnehmer bisher…

Die Erfolgsgeschichte

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Yakub vor einem seiner „Matatus“

Wie ein Musterschüler hat Yakub, ein Teilnehmer meiner ersten Seminarreihe für Kleinstunternehmer, eine Geschäftsgelegenheit gesehen und verwirklicht: Quer durch den Kibera-Slum hat die Regierung vor Kurzem eine Straße gebaut und geteert. Diese neue Strecke verlangte nach einem öffentlichen Verkehrsnetz, das in Kenia hauptsächlich aus Kleinbussen besteht, die sich „Matatus“ nennen. Gemeinsam mit zwei Freunden kaufte er einen alten Kleinbus und holte weitere Teilhaber ins Boot. Yakubs Matatu-Gesellschaft „Kibera Lindi Sacco“ startete mit einem Fuhrpark von zehn Kleinbussen, mittlerweile nennen sie 24 Matatus ihr Eigen! Die 40 (!) dadurch geschaffenen Arbeitsplätze besetzte Yakub bewusst mit ehemaligen bzw. damals noch aktiven Gangstern, um ihnen eine neue Perspektive zu geben. Es gab sogar Beschwerden von Fahrgästen, warum er so böse Leute beschäftigt. Yakubs Gegenfrage leuchtete ein: „Wollt Ihr, dass sie Matatus fahren, oder Leute überfallen?“ Mittlerweile hat Yakubs Matatu-Gesellschaft ca. 2000 Euro angespart, die in Geschäftsgründungen investiert werden sollen. Und da die Ex-Gangster darin mit einbezogen werden sollen, jedoch kaum eine Ahnung vom Geschäftsleben haben, wurde ich mit meinem Geschäftsseminar eingeladen.

Das Seminar

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Aufmerksame Seminarteilnehmer

So traf ich mich über fünf Wochen lang jeden Montag mit den „schweren Jungs“, und die Teilnehmerzahl stieg stetig. Zu Spitzenzeiten hatten wir 32 junge Leute in dem kleinen Seminarraum mit Lehmwänden und Wellblechdach, aus dem wir vor Beginn erst die Hühner und Ziegen vertreiben mussten. Bereits am ersten Seminartag habe ich eine kleine Ahnung davon bekommen, was die Jungs in ihrer Vergangenheit durchmachen mussten. Einige hatten extrem rote Augen von den konsumierten Drogen, andere auffällige Narben. Da die meisten offenbar nur begrenzt eine Schulbildung genießen konnten, habe ich das Seminarprogramm noch einmal stark vereinfacht und vermehrt mit Bildern und Illustrationen gearbeitet. Immer wieder konnte ich betonen, welche Perspektive Gott in ihr Leben bringen kann und welche Veränderungen mit IHM möglich sind. Ich war begeistert über die Gruppendynamik, die sich mit der Zeit entwickelt hat. Und manch ein „schwerer Junge“ hat sich gefreut wie ein Kind, als er einfache wirtschaftliche Zusammenhänge oder Grundladen der Buchführung verstanden hat…

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Viel Raum für Diskussionen

Aha-Effekte

Im Laufe der Seminarreihe gab es viele große und kleine Highlights und Aha-Effekte. So war z.B. eine Gruppe anwesend, die Wasser per Lastwagen in einen großen Tank füllen lässt und dieses in Kanistern an die Slumbewohner verkauft. Den Gewinn haben sie bisher täglich unter den Teilhabern aufgeteilt. Bei einer genaueren Kalkulation der Einnahmen und Ausgaben waren sie erstaunt über den wöchentlichen Gewinn. Noch während des Seminars haben sie die Entscheidung getroffen, einen Teil des Gewinns ab sofort zurückzulegen. Innerhalb eines Jahres sollten sie damit genug Geld angespart haben, um einen weiteren Wassertank anzuschaffen – und damit ihr Geschäft zu verdoppeln!

Geschäfte = Sicherheit?

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Im Gruppengespräch vertieft

Das Ziel meines Seminares ging jedoch noch etwas weiter: Teile der neuen Matatu-Strecke sind wenig belebt, dunkel und damit sehr unsicher. Nun sollen mit den Ersparnissen der Matatu-Gesellschafft an strategisch wichtigen Punkten gezielt Geschäfte wie z.B. Kiosks, Frisörläden usw. angesiedelt werden. In einer Einheit haben die Teilnehmer eine Skizze ihrer Gegend angefertigt und darin sichere und unsichere Gebiete markiert. Die Hoffnung dabei ist, dass mit den Geschäften, die an strategisch wichtigen Ecken angesiedelt werden sollen, die Straßen belebter und beleuchteter werden – und damit letztendlich sicherer. Wenn der Plan aufgeht, wird ein Teil von Kibera in Zukunft ein etwas sichererer Ort sein als heute. Ein großartiges Gefühl, Teil dieser Entwicklung sein zu dürfen! DSC_0043

 

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