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Ausblick aus unserem Klassenzimmer

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Energizer auf dem Schulhof

IMG_1136 DSC06882 DSC06960 DSC07478 DSC07702 Im November war ich in der Kibera Girl’s Soccer Academy eingeladen, eine Art Sportgymnasium im Slum Kibera. Dort habe ich mit ca. 25 Abiturientinnen eine Woche lang mein Business Seminar gehalten.

Das spannende war für mich, zum ersten Mal mit einer Gruppe zu arbeiten, die noch keine Erfahrungen mit eigenen Geschäften gemacht haben. Während des Seminars haben sich Interessengruppen von 2 bis 4 Personen gebildet, die sich in der gleichen Branche selbstständig machen möchten. Die Interessengruppen reichten vom Schuhhandel über Restaurant bis zum Fotostudio. Und in einer Mädchenschule durften natürlich Kosmetikvertrieb und Haarsalon nicht fehlen! So wurde das Seminar sehr konkret.

An einem Tag sind die Interessengruppen in den Slum gegangen und haben Geschäftsleute aus ihrer Wunschbranche interviewt. Wie haben sie angefangen? Was waren die größten Probleme? Was würden sie jemandem raten, die sich in der Branche selbstständig machen möchte? usw. Das war besonders Hilfreich für die jungen Damen.

Zum Ende des Seminars hat jede Gruppe einen eigenen Businessplan geschrieben, mit dem sie z.B. bei Familie oder Freunden um Unterstützung werben (Startkapital leihen) oder gar einen Micro-Kredit bei einer Bank beantragen können. Und natürlich gab es schöne, bunte Teilnahmezeugnisse. Ganz wichtig!

Ich war sehr beeindruckt von der Kreativität der Mädchen und hätte gerne mal ihre Lebensgeschichten erfahren. Aber das hat sich nicht ergeben bzw. wäre vielleicht auch nicht angebracht gewesen. Die schriftliche Feedback-Runde am letzten Tag war auf jeden Fall überwältigend! Von „Jetzt traue ich mir zu, ein Geschäft zu eröffnen“ bis zu „Dieses Seminar hat mein Leben verändert“ 🙂 war alles dabei. Und der Programmkoordinator der Schule hat mir mehrfach gesagt, das sei das beste Seminar, das die Schule je hatte. Das nächste Jahr ist auf jeden Fall schon gebucht.

Mir hat es sehr viel Freude gemacht, auch wenn es sehr arbeitsintensiv war. Ich habe teilweise bis in die Nacht hinein mein Programm für den nächsten Tag umgeschrieben und neue Aufgaben erstellt, weil mir konkreter Bedarf aufgefallen ist. Schön war, dass wir eine ganze Woche Zeit hatten, so konnte ich auf die einzelnen Interessengruppen eingehen und mir Zeit für jede Gruppe nehmen.

Es ist sehr ermutigend wenn man erfährt, dass die Arbeit den Leuten wirklich konkret etwas bringt.

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Die erste Seminargruppe aus Kenias größtem Slum

Die erste Seminargruppe aus Kenias größtem Slum

Seit einem halben Jahr habe ich mich in Kenia darauf vorbereitet, und eigentlich schon deutlich länger davor in Deutschland. Gestern war es endlich so weit: Ich habe mein erstes Seminar für Kleinstunternehmer gehalten!

Die sieben Teilnehmer kamen alle aus Kibera, Kenias größtem Slum mit circa einer Million Einwohnern, und alle sind in unterschiedlichen Branchen aktiv. Der junge Mann mit dem Schal (wegen der Regenzeit haben wir bitterkalte 20 Grad in Nairobi) verkauft z.B. Tomaten und Zwiebeln, der Herr rechts hinter ihm betreibt einen Friseursalon (sprich er schneidet Haare in einer Wellblechhütte), ein weiterer hat sich mit zwei Kollegen ein Moppet gekauft und fährt Menschen und Waren gegen Gebühr ans Ziel. Fast alle Teilnehmer haben zwei bis vier Kinder und halten sich mit ihren Unternehmen mehr schlecht als recht über Wasser. Ziel der Seminare ist, ihre Einkünfte zu stabilisieren und zu erweitern, damit sie selbstständig für sich und ihre Familien sorgen können.

Kollegiale Beratung: Ein Teilnehmer erklärt sein Unternehmen und ein zentrales Problem darin, die restlichen Teilnehmer versuchen zu helfen.

Kollegiale Beratung: Ein Teilnehmer erklärt sein Unternehmen und ein zentrales Problem darin, die restlichen Teilnehmer versuchen zu helfen.

Ein zentrales Element des ersten Seminars war die s.g. „Kollegiale Beratung“. Ein Teilnehmer erläutert sein Unternehmen und ein Kernproblem oder eine Schlüsselfrage. Daraufhin beraten die restlichen Teilnehmer den Kollegen mit Hinweisen, Ratschlägen oder Tipps. Diese Technik ist besonders stark, denn die Lösung kommt aus der eigenen Kultur und dem gleichen Umfeld. Ich war positiv überrascht, welch kreative Dynamik sich entwickelt hat. Es gab zahlreiche „Aha-Effekte“, sowohl bei den Teilnehmern, als auch bei mir!

Aufmerksame Zuhörer mit Aha-Effekten

Aufmerksame Zuhörer mit Aha-Effekten

Am Ende sollte jeder Teilnehmer EINE Schlüsselerkenntnis aufschreiben, wobei die Teilnehmer zu meiner Freude bis zu sieben Punkte notierten. Die Schlüsselerkenntnis bildet gleichzeitig die Hausaufgabe, die sie während der laufenden Woche in die Tat umsetzen sollen. Nach einer Woche treffen wir uns zum zweiten Seminar und ich bin gespannt über ihre Berichte…

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